Die Wiedereinführung des Wolfes ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte: Immer mehr Rudel haben sich vor allem im Osten Deutschlands angesiedelt, und jetzt sind auch die ersten Wölfe nach Bayern gezogen. Aber im konservativen Bundesland hat man Angst vor den Besuchern: Vor allem Schafhalter sorgen sich um ihre Bestände, auch wenn bislang kein Schaf gerissen wurde, sondern die Wölfe sich von Rehen ernähren. Und selbst wenn: Eigentlich sind dafür Entschädigungen dar. Schließlich gibt es in zwei anderen Gegenden in Bayern schon etwas länger Wolfspaare. Die Landwirte wollen vor allem wissen, was sie tun können, um ihre Tiere zu schützen.

Dass sie keine Antworte bekommen liegt in Bayern am Streit zwischen Umwelt- und Agrarministerium. Keiner der beiden Minister will das heiße Eisen anfassen oder finanzieren, und Ministerpräsident Seehofer ließ das Thema unlängst von der Tagesordnung nehmen. Die Umweltministerin will, ähnlich wie ihre Kollegen im Osten, mit Aufklärung arbeiten. Weil es aber Landwirte sind, die beraten werden müssen, ist das Agrarministerium zuständig, dass wiederum darauf verweist, dass Wölfe eigentlich keine Nutztiere sind. Gleichzeitig macht man sich für wolfsfreie Zonen stark und will, entgegen aller Bedenken von Fachleuten, auch Abschüsse einfacher machen.

Zäune können Herden schützen

Von einer Wolfsschwemme ist übrigens keine Rede. Derzeit leben etwa 160 wilde Wölfe in Deutschland. Naturschützer zählten etwa 60 Rudel. Hungrig sind sie dennoch, Statistiken zählen 1000 gerissene Nutztiere pro Jahr. Doch es gibt Alternativen zum Abschuss: Nämlich einen besseren Schutz der Tierherden.

Worüber die Bayern sich noch streiten, haben die Fachleute von Bundesamt für Naturschutz bereits hinbekommen: ein Konzept, wie man Herden sicherer vor Wolfsangriffen machen kann. Dazu gehören Zäune die mindestens 120 Zentimeter hoch sind, bis nach unten geschlossen und oben mit einem elektrischen Abwehrmechanismus versehen sind.

Die meisten sterben durch Menschenhand

Der Wolf ist nicht nur eine Gefahr für den Besitz des Menschen, der Mensch ist auch der Wolfkiller Nummer 1: Nur 22 der seit 2000 gestorbenen 200 Wölfe sind eines natürlichen Todes gestorben. Der Rest wurde entweder erschossen oder überfahren.

Und noch ein Problem ist entstanden: Manche Menschen versuchen die Wölfe anzufüttern und an den Menschen zu gewöhne, vor allem um Kreuzungen mit Schäferhunden herbeizuführen. Das ist zwei Gründen keine gute Idee: Zum einen bringt man die wilden Wölfe zu nah an menschliche Behausungen, wo sie auch Haustiere reiße könnten. Zum anderen sind aber die Wolfshunde mehr Raub- als Kuscheltiere und können unberechenbar sein.